Fürwahr, endlich ist mein Amaro Lucano bereit!

Wohl wißt Ihr, den Lukaner aus Lukanien fortzubringen, vermag man, doch niemals Lukanien aus dem Lukaner. Deswegen müht' ich mich gar viele Jahr' lang, meinem Begehren, das schon als Jüngling ich im Herzen trug, nachzuspür'n. Denn Geschmack und Duft von meinem Heimatort Pisticcio wollt' ich in eine Kräutermischung bannen, hat die edle Kunst der Kräuterkunde mich doch seit jeher schon ergötzt.

Und nun bin ich zur Stelle, sogleich auch auf den Seiten des Internets Euch meine heimliche Mischung zu preisen, da keiner mir nachsagen möge, daß ich feige vor den fortschreitenden Neuigkeiten mich verhielte.
Jedoch, mich peinigt, warum World Wide Web? Hätte man nicht besser, so frag' ich, den Namen Globales Gewebe verwandt? Da die Worte unsrer schönen Sprache bewahrt sein sollen. Die guten Traditionen verdienen es ebenso. Da denk' ich an den Brauch des Beieinandersitzens, bei einem guten Glas, das mit Bedacht gemacht ist. So wie mein Lucano!

Dass er Euch erfreuen möge, dahin geht mein Hoffen, und mit ein wenig Glück, wer weiß, könnt' er, eh' ich mich's verseh', sogar als meistgeliebter Kräuterlikör der italischen Halbinsel geschätzt sein.
Freilich gefiele es mir, Euch das Rezept meines Amaro Lucano zu verraten, aber wahrhaftig, ich vermag es nicht, nein, meine Herren! Feierlich hab' ich geschworen, es von Vater zu Sohn zu überliefern, wie es früher Brauch war mit dem, was einem lieb und teuer ist.

Was mir von meinem Kräuterbitter zu erzählen gestattet ist, sag ich Euch frei heraus: 30 und mehr Kräuter bewahrt er in sich, und dies überbringt Euch sein Geschmack, der in fein tarierter Kraft kein Gleiches kennt. Ihr werdet darin, wenn Nase und Gaumen Euch beistehen, Citrusnoten und Blumen finden, weiter sag ich ... nichts. Mir fehlt der Mut, um fortzufahr'n.

Das Rezept ist alleiniglich in meinem Haupt verwahrt und wird dort bleiben, hab' ich doch darinnen zum Mindesten ein gutes Terabyte Erinnerung. Keine geschriebenen oder gemalten Zeugnisse auf Instagram gibt es, die seine Geheimnisse erklärten, deshalben sollen die Food Blogger rund um den Globus sich darein finden. Doch wohlan, betrachtet auch die Seite, die von Vorteil ist: Auch ohne sein rätselhaftes Geheimnis zu lüften, könnt Ihr vom Zauber des Amaro Lucano kosten.
Wie freigebig und erstaunlich die Natur unsres Landstrichs #Lukanien! Ich setz' einen Hashtag davor, wovon sie mir hier als moderne Gepflogenheit sprechen. Aber zurück zu uns: Umgeben von Wäldern und Hügeln, auf welchen die kostbarsten aller Kräuter gedeihen, erheben sich Städtchen von wunderbarem Reichtum an Kunst und Kultur. Nur einem so herrlichen und vielgestaltigen Landstrich ist es gegeben, einen großen Kräuterlikör aus der Taufe zu heben.

Bedenkt nur, wie ich mich viele Jahre darauf verwandte, unzählige Kräuter zu mischen, im Mörser zu stoßen und zu pressen, einen Nektar im Sinn, der alle Farben und den ganzen Duft und Geschmack meiner lieblichen Heimat im Shaker – dieser, so kam mir zu Ohren, ist in der Gegend von Mailand so Brauch! – zu vereinen vermöge.
Genug des Geschwafels: Wollt Ihr mehr erfahr'n von dem zauberischen Ort, gibt's nichts Bess'res, als Eure Dampfkutsche anzutreiben und mit eigenen Augen, was ich Euch erzähl', zu bewundern.
Die Anschrift der Werkstatt ist im digitalen topographischen Archiv der Googelschen Karte verwahrt: Staunt mit mir, wenn Ihr bemerkt, daß die Straße keinen geringeren als meinen Namen trägt.

Seid Ihr hingegen faul und träge, betrübt Euch nicht: Zum Zwecke könnt Ihr die Essenz Lukaniens in meinem Amaro Lucano kosten!

Ein Amaro – der Weltausstellung würdig

Früh ist mir zu Ohren gekommen, dass in der Stadt Paris zur Weltausstellung im Jahr 1900 ein Turm in großem Style enthüllt wird. Wer weiß, ob eines Tages mein Amaro Lucano nicht auch an einer EXPO teilnimmt, dank seines großen Geschmacks.

#partyhard @TenutaVena

Zu Ehren meines Amaro Lucano hielt ich ein Bankett – aber was fasele ich da! – einen Ball – was sag' ich bloß! – eine echte Party in meinem Domizil. Neugierig? Seht die lebendigen Photogramme, von den Paparazzi erhascht, welche zum großen Ereignis herbei geeilt kamen.

Lucano und Champagne, warum nicht?

Am vorgestrigen Tag war ich beim Probieren von meinem Amaro Lucano, als mir ins Glas eine Träne vom Champagner fiel. Hört, hört: Vom Getränk hab' ich gekostet und, potzblitz, sie nahm sich darin ausgezeichnet aus! Dass ich unversehens den Trend der Cocktails auf der Basis von Amaro Lucano vorweggenommen hätte? Den Späteren sei es überlassen, den Spruch zu entscheiden.
Mit meinen aufrichtigsten Wünschen verabschiede
ich Euch und eile, meine Zeilen auch an die königlichen Savoyer zu twittern!



Pisticci, 1894
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